Das Huhn - Teil 1.

Eine wahre Geschichte

…als ANIMIST… 🦌🍄👺 🦎 … kann ich nicht gewisse Dinge „übersehen“ oder ignorieren. Für Animisten ist manches etwas komplexer. Immerhin habe ich die Möglichkeiten, mich dazu zu äußern. Folgende Geschichte möchte ich euch erzählen:

 

Da gibt es ein Huhn 🐓 dass keine Eier mehr legt. Dieses Huhn hat sich im Sommer mit meinem Sohn angefreundet, und ihn ganz genau angeschaut und es ist ein sehr mutiges Huhn! Mein Sohn, nennen wir ihn Wonderboy, ist im taoistischen Tierkreiszeichen am Tag des Hahn geboren, also hat er eine Verbindung zu Hühner. Ich selbst bin in der Stunde des Hahn geboren, so habe auch ich eine Verbindung zu Hühner.

Vor kurzen äußerte der Besitzer des Huhns, dass er das Huhn schlachten möchte, da es keine Eier mehr legt und es nun mal unwirtschaftlich wird, aber auch weil es eine gute Suppe gibt. Das sei ja eine viel bessere Suppe als die von den „KZ-Hähnchen“ die man kaufen kann. Immerhin weiß man ganz genau, dass dieses Huhn nicht „nur Bio“ ist, sondern auch sehr glücklich war und dass dieses Huhn sehr glücklich gelebt hat, das ist keine Frage, das wissen wir ganz genau!

 

Nun muss man wissen, dass der Besitzer des Huhns Gefriertruhen hat und dort auch Fleischvorräte lagert. Es ist nicht so, dass kein Fleisch da ist, sondern genau Gegenteil! Fleisch ist da und noch nicht mal aufgegessen, da soll aber dennoch das Huhn dazu in die Truhe. Also äußerten wir uns und sagten, dass das Huhn noch eine Weile leben kann, auch ohne Eier zu legen und wenigstens der erste Geburtstag des Wonderboy abgewartet werden kann. Der Besitzer (unser Nachbar) äußerte sich nicht dazu. Und dann hat das Huhn auch viele viele Eier gebracht und das kann man wohl schätzen! Außerdem sollten um den Geburtstag des Wonderboy keine Tiere getötet werden, da die Kleinstkinder und Babys besonders gefährdet sind von den „hungrigen Geistern“, die aus den getötete Tierwesen werden, wenn man vor der Tötung die Rituale nicht beachtet.

 

Das Töten von Tieren ist in vielen animistischen Kulturen mit Tabus und Regeln behaftet, denn alle Lebewesen sind für den Animisten gleichwertig, beseelt und mit Persönlichkeit behaftet. Im Ritual muss man also vor der Tötung den Herrn dieses Tieres, also den Hühnergott, um Erlaubnis bitten und um das Huhn erbitten. Vielleicht wird einem dann diese gewährt und erst dann kann man davon ausgehen, dass das Wesen des Huhns zu seinen Ahnen findet und sich nicht in der Anderswelt verläuft bzw. zum hungrigen Geist wird und seinen Schlachter sowie dessen Familie heimsucht und mit Krankheit straft.

 

Der Besitzer des Huhns ist unser Nachbar und er ist kein Animist. So genau kennt er das alles nicht und weiß es nicht! Er sagt, er ehrt ja das Huhn indem es gut leben kann, glücklich ist und nach seiner Schlachtung ganz verwertet wird, ohne etwas zu vergeuden. Wir gingen davon aus, er hat es verstanden und akzeptiert und das Huhn wird mit uns das neue Jahr feiern. Aber zum 1 Advent, beim Feiertagstelefonat teilte der Besitzer uns mit, dass das Huhn ja schon sehr krank sei, und daher bereits jetzt geschlachtet wurde. Die Leber "sei ja schon so zerfressen" etc. aber natürlich ist es nicht entsorgt worden, sondern wird eingefroren und gegessen! Offenbar war es noch nicht zu krank und kann verspeist werden. Wir waren ziemlich fassungslos und erstaunt über das Geschehen.

 

Als Animist kann ich zwar ein Huhn besitzen, aber nicht sein Leben! Das Leben des Huhns gehört seinen Ahnen und an die muss ich mich wenden, wenn ich das haben will! Die Frage hier stellt sich: Wie wendet sich denn der Mensch an den Ahnen des Huhns wenn er ein huhn haben will? Diese Frage stellt sich derzeit für den Besitzer des Huhns nicht.

 

Es bleibt spannend ...Fortsetzung folgt...

Liebe Grüsse

Ric