Zum Naturverständnis vorchristlicher Kulturen

Natur - magisch und beseelt

Heiliger Baum: Der größte Banyan-Baum mit einem Umfang von 450 Meter, mit ca. 1830 Luftwurzeln und älteste mit 250 Jahren steht im Botanischen Garten in Shibpur, Kalkutta, Indien

Weltweit, ob in traditionelle oder moderne Gesellschaften, haben sich animistische Vorstellungen im Alltag und Sprache kulturell erhalten. Unabhängig der technischen Standards werden übernatürliche Wesen als Begleiter des täglichen Lebens des Menschen angenommen. Links unten zeigt das erste Bild ein sogenanntes Geisterhäuschen, ein Schrein für Naturgeister San Phra Phum im Garten eines Urlaubsresort auf der Insel Samui in Thailand. Das zweite Bild zeigt ein der größten Schreine, welcher im Zentrum des Innenparks des Flughafens Suvarnabhumi in Bangkok steht. Diese Schreine dienen als Behausung diverser übernatürlicher Wesen, vor Allem Naturwesen. Solche animistische Vorstellungen finden sich kulturspezifisch in ihrem Erscheinungsbild und unabhängig von religiösen Vorstellungen als kulturelle Elemente zum Menschen zugehörig.

links: Hausschrein San Phra Phum im privaten Garten auf Koh Samui, Thailand

rechts: Hausschrein San Phra Phum auf den Flughafen Suvarmabhumi, Thailand

Besonders ausgeprägt ist die Sichtweise der Natur als magisch und beseelt.

 

Die Wahrnehmung und ein Bewusstsein für die Beseeltheit von Natur sowie eine ganzheitliche Sichtweise zu fördern, um so auch einen Einblick in die indigenen Weltsichten zu bekommen um unsere Grenzen und Ideen für unsere Zielsetzung zu erweitern ist Bestandteil unserer Arbeit.

links oben: Ein Penjor (Opferpfahl aus Bambus) der mit Blumen, Früchten, kleinen Reiskuchen und weiteren geschmückt ist und den Ahnen und Geistern während des Galungan-Festes dargebracht wird. Bali, Indonesien.

rechts oben: Indien - Bothgaya - Tempel des Mahabodhi zum Bodhi-Baum, dem Baum wo Buddha Erleuchtung erlangte

links unten: Heilige Höhle Gua Pengantin auf dem Dieng-Plateau, Kejaja- District, Wonosobo, Zentral Java, Indonesien

rechts unten: Heilige Höhle Gua Jaran auf dem Dieng-Plateau, Kejaja-District, Wonosobo, Zentral Java, Indonesien

Natur - heilend und lebendig

Pflanzen sowie Pilze sind Teil der Natur und seit jeher Begleiter des Menschen. Als Nahrungsmittel und Heilmittel sichern sie dem Menschen das Überleben und als Genussmittel ergänzen sie seinen Alltag. Die psychologische sowie physiologische Nutzung von Pflanzen und Pilzen als Heilpflanzen und Medizinalpflanzen, Medizinalpilze, auch sogenannte Entheogene als Therapeutika, ist weltweit aufzufinden. Eingebettet in soziokulturellen und schamanischen Konzepten durch dazugehörige Nutzungsreglementierungen (Diäten, Konsum-formen, Einschränkungen, Rituale, Kombinationen, Zubereitungsbesonderheiten) sind diese in ihre Herkunftsländer integriert und bekommen eine besondere Bedeutung für das Leben der Menschen als Teil ihrer Kultur. Viele dieser Pflanzen und Pilze haben auch in unserer modernen Gesellschaft eine neue Heimat gefunden und bereits eine soziokulturelle Integration erlebt. Ebenso aber hat sich tradiertes Wissen unserer Kultur erhalten und wird bis heute weiter genutzt. Diverse medizinische und therapeutische Berufsgruppen greifen auf dieses Wissen zurück und nutzen es zur Heilung diverser Erkrankungen.

 

Zum ganzheitlichen Verständnis der Wirkung von Pflanzen und Pilzen gehört auch das Verstehen der Pflanzen und der gesamten Natur als heilend und lebendig. Dieser grundliegende Aspekt traditioneller indigener Gesellschaften erleichtert uns die kulturspzifische Nutzung der Heilpflanzen im jeweiligen soziokulturellen Kontext und zeigt uns Wege zu Lösungen von Problemen. Eine ganzheitliche Sicht auf Pflanzen und Pilzen ist genauso zentral wie ihre Anwendungsformen.